Inflaseiten Portoperioden

 
         
 

Auch wenn die Inflation meist auf die Jahre 1919 bis 1923 festgelegt wird, muss man den Beginn doch früher ansetzen. Bereits kurz nach Beginn des 1. Weltkrieges wurde die Bevölkerung des Deutschen Reiches zur Zeichnung von Kriegsanleihen aufgerufen. Da Kriege nun einmal sehr viel Geld kosten, reichten die Anleihen bald nicht mehr zur Finanzierung aus und so kam es am 1. August 1916 zu der "Außerordentliche Reichsabgabe".
Für die Bevölkerung war dies nichts Anderes, als eine Erhöhung des Portos der gängigen Versandarten für Postkarten und Briefe um 50%. Fakt war jedoch, dass die Reichspost dieses zusätzlich eingenommene Geld nicht behalten durfte, sondern an die Reichsfinanzkasse zu transferieren hatte. Somit ist dieses Datum als Beginn der Inflation anzusehen.

Am 1. Oktober 1918 kam dann die 2. "Reichsabgabe", danach verfiel die Mark zusehends schneller, was sich auch in immer kürzeren Portoperioden widerspiegelt. Schließlich war im November 1923 der Rekord mit fünf Portoperioden innerhalb eines Monats zu verzeichnen.

Anhand der nachstehenden Tabelle wird die Entwicklung des Portos für eines Fernbrief bis 20 Gramm aufgezeigt. Zusätzlich enthält die Tabelle auch den Gegenwert in Goldmark bezogen auf den Wert vom 1.7.1914.

Die damaligen Verhältnisse während der Endphase der Inflation in den Monaten Oktober und November 1923 kann man sich heutzutage fast nicht vorstellen. Das Geld verlor in immer kürzeren Abständen an Wert.

Die Grafik stellt den stündlichen Wertverlust der Mark (bezogen auf den Wert am 1. Juli 1914) dar. Am Ende betrug der Wertverlust knapp 15 Milliarden Mark pro Stunde, das muss man erst einmal versuchen, zu realisieren.

Das Ende der Inflation wurde mit der Errichtung der Rentenbank am 15. Oktober 1923 eingeleitet. Am 15. November wurde dann die Einführung der Rentenmark beschlossen, aber es stand noch kein Umrechnungskurs zum US-Dollar fest, da die Papiermark in den Novembertagen stetig weiter an Wert verlor. Schließlich gelang die Stabilisierung bei 4,2 Billionen Papiermark (dem Kurs vom 20. November). Damit waren nun die Voraussetzungen geschaffen, neues Geld und neue Briefmarken zu drucken. Dass dies nicht über Nacht geschehen konnte, ist einsichtig. Fortan lief in der Reichsdruckerei die Produktion der neuen Rentenpfennig-Marken und Banknoten auf Hochtouren. Während dieser Zeit liefen die Druckpressen der Reichsdruckerei rund um die Uhr.

Dies führte auch dazu, dass in der Portoperiode 26 (26.-30.11.1923) für diese fünf Tage keine Marken mit neuen Wertstufen gedruckt werden konnten. Vielmehr verkaufte die Reichspost die Freimarken nun zum vierfachen Preis bzw. musste bereits freigemachte Sendungen zu diesem Preis annehmen. Belege aus diesen fünf Tagen - und nur diese - werden als Novemberbriefe oder Novemberfrankaturen bezeichnet.

 
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